Großstadtlegenden T2

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Großstadtlegenden T2 wurde erstellt von Lyubov

Krokodile und der Fluch des Krasnodarer Stausees
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Der Krasnodarer Turm wurde 1935 von dem berühmten Ingenieur Wladimir Schukhow entworfen und in den Sowjetjahren als Wasserturm genutzt. Auf seiner Spitze befand sich ein Reservoir mit einem Fassungsvermögen von 120 Tausend Liter. Und am Ende der UdSSR-Zeit verbreiteten sich Gerüchte in der Stadt, dass die Perestroika-Geschäftsleute Krokodile im Behälter gezüchtet hätten. Es gab Informationen über die Opfer der blutrünstigen Wesen. Gerüchten zufolge hatten Krokodile eine Studentin gefressen, die im Sommer den Behälter bemalt haben soll. Ein weiteres Opfer von Gerüchten oder Reptilien war ein Satanist, der nachts auf den Turm kletterte, um dort ein Ritual durchzuführen.
Im Großen und Ganzen hat der Turm einen schlechten Ruf. Später wurde beschlossen, den alten Behälter abzubauen und auf das Land zu bringen. Am festgesetzten Tag flog ein Hubschrauber an, nahm den Wassertank auf und flog in Richtung Südosten der Stadt. Aber während des Fluges spürten die Raubtiere, dass etwas nicht stimmte, und fingen an, den Behälter zu schaukeln. Das Stahlkabel riss ab, und die massive Konstruktion stürzte zusammen mit den Reptilien in das alte Bett des Kuban-Flusses, des größten Flusses in der Region Krasnodar.
Man weiß nicht genau, wie viele Krokodile es gab und welche von ihnen überlebten, aber seitdem wissen die Krasnodarer, dass im Kuban zumindest ein Krokodil lebt. Vielleicht sogar mehr als eins. Das legendäre Wesen fraß Fische, kleine Tiere, die in der Nähe des Ufers lebten, aber Gerüchten zufolge – auch die Menschen. Augenzeugen behaupteten, dass die betrunkenen Urlauber sowie die Opfer der kriminellen Auseinandersetzungen der 90er Jahre zur Beute des Krokodils wurden. Das Reptil überwinterte und erfror jedoch nicht, weil das Wasser von dem Wärmekraftwerk erwärmt wurde. Manche Leute glaubten an diese Geschichten und erzählten sogar, dass sie dieses Reptil persönlich gesehen hätten, jemand betrachtete alles als Lüge und verwies die zu leichtgläubigen Bürger auf den Anfang 1994 veröffentlichten Zeitungsartikel "der Turm der Kannibalen", der zum ersten Mal die ganze Geschichte erzählte.
Immerhin wurde im November 2011 in der Nähe des Parks „Sonneninsel“ ein totes Krokodil entdeckt. Der Grund für den Tod des Tieres ist eine große Wunde, die anscheinend durch die Schraube eines Motorboots verursacht wurde. Ein anderthalb Meter großer Kaiman wurde von einem Trainer der Ruderstation entdeckt, der mitteilte, dass er und seine Studierende das noch lebendige Reptil wiederholt gesehen hätten. Trotz der Tatsache, dass seit dieser Entdeckung fast zehn Jahre vergangen sind, sagen die Fischer, dass die Gewässer des Kuban-Flusses immer noch unruhig sind.

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Krasnodar liegt am Ufer des Krasnodarer Stausees. Dieser künstliche Wasserspeicher wurde in den 1970er Jahren angelegt und ist der größte im Nordkaukasus. Die Länge beträgt 40 km, die Breite – 15 km und die Gesamtfläche – 420 km². Die durchschnittliche Tiefe ist 5 m und die maximale – 18 m. Der Zweck des Krasnodarer Stausees bestand darin, den Reisanbau zu kontrollieren und saisonale Überschwemmungen im Unterlauf des Kuban-Flusses zu bekämpfen.
Als der Stausee in Betrieb genommen wurde, wurden riesige Gebiete überflutet und mehrere Tausend Einwohner in neue, speziell zu diesem Zweck gebaute Dörfer umgesiedelt. Die Anwohner wollten das Land, auf dem viele Generationen ihrer Familien lebten und auf dem ihre Vorfahren begraben waren, nicht verlassen. Am Ende wurden jedoch mehr als 11.000 Menschen und 28 Friedhöfe vom Boden des zukünftigen Stausees umgesiedelt. Die Friedhöfe, die nicht verlegt werden konnten, wurden einbetoniert und anschließend überflutet. Die Anwohner hatten dafür wenig Verständnis. Sie verfluchten die Bauherren und weigerten sich, ihre Häuser zu verlassen. Menschen mussten oft mit Hilfe der Miliz beruhigt werden.
Der Krasnodarer Stausee sollte nicht nur ein wichtiges wirtschaftliches Objekt sein, sondern auch ein beliebter Erholungsort, an dessen Ufern Sanatorien zur Entspannung der Sowjetbürger errichtet würden. Zukünftige Urlauber haben bereits davon geträumt, hier zu segeln, Sonnen- und Luftbäder zu nehmen und ihre Gesundheit zu verbessern. Aber die Pläne wurden nicht verwirklicht.
Man sagt, dass einige Bewohner beschlossen, auf ihrem Land zu sterben. Augenzeugen dieser Ereignisse sagten, dass eine alte Frau sich kurz vor der Überschwemmung in ihrem Haus eingesperrt habe. Das Licht in ihrem Fenster brannte, bis es unter Wasser erlosch. Gerüchten zufolge ist in der Tiefe auch ein Licht sichtbar. Einige behaupten, dass sie bei schönem Wetter die Umrisse des kleinen Hauses erkennen können.
Nicht nur die Anwohner wurden von der Überschwemmung riesiger Gebiete betroffen, auch Archäologen hatten einzigartige antike Artefakte verloren. Vor einigen Jahrhunderten lebten die Stämme der Maioten auf dem Territorium des heutigen Stausees und hinterließen hier Spuren ihrer alten Siedlungen und mehrere Bestattungen. Hier wurden jahrelang wertvolle archäologische Exponate gefunden - antike Amphoren, Schmuck, Waffen und Haushaltsgegenstände. Die größten Ausgrabungen wurden vor dem Hochwasser durchgeführt. Archäologen behaupten, dass sie im Herbst 1972 900 alte Gräber an einem Ort gefunden hätten. Schon damals gab es Gerüchte, dass die Alten, deren Ruhe gestört war, sowohl Wissenschaftler als auch Erbauer verfluchten.
Und selbst wenn Sie sich nach diesem Beitrag entschlossen fühlen bei Ihrem nächsten Besuch den Stausee zu erkunden, der Ort ist wohl doch nicht zu empfehlen.
Letzte Änderung: 2 Wochen 5 Tage her von Lyubov.
4 Wochen 3 Stunden her #79
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