Boris Godunow – Geschichte eines erfolgreichen Musikdramas im Krasnodar Theater

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Am 18. Februar 2022 fand im Krasnodar Musiktheater «Premjera» in der Krasnaja Straße 44 die Musikdrama-Opernaufführung «Boris Godunov» statt. Dies ist eine der beliebtesten und großangelegten russischen Opernaufführungen: mehr als 200 Schauspielerinnen nahmen an dieser Aufführung teil. Die Theateraufführung wurde nach Originalfassung von Modest Mussorgski aufgebaut und, was die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Veranstaltung besonders lenkte, die Originalszenen, wie «Szene bei den Brunnen» und «Sokolniki am Dnjepr», die zuvor nirgendwo vorgestellt wurden, wurden endlich hier in Krasnodar dem Publikum gezeigt. 

Die Zeitspanne, die die Ereignisse auf der Bühne abdeckt, ist die Regierungszeit des Zaren Boris Godunow von 1598 bis 1605, kurz vor dem Beginn der «Zeit der Wirren». Die Zeit bezeichnet man in der russischen Geschichte als die tiefste gesellschaftliche und politische Krise, die zwischen dem Tod des letzten Zaren aus der Rjurikiden-Dynastie und der Berufung auf den Thron vom Gründer der neuen Romanov-Dynastie ihren Höhenpunkt erreichte. Innerhalb von 15 Jahren erlebte aber das russische Volk den Wechsel von fünf Herrschern und zwar Boris Godunov, sein Sohn – Fedor Godunov, Pseudodemetrius, der sich als Nachkomme der Rjurikiden-Dynastie bekanntgab, Vasilij Schujskij, der von Adeligen und Fürsten nach Ermordung des früheren Herrscher gerufen wurde, und Mihail Romanow selbst. Außer den unerbittlichen Machtkämpfen um den Thron in Moskau kamen dazu solche Erlebnisse wie schlechte Ernte, damit verbundene Hungersnöte, tödliche Krankheitsepidemien, Angriff von Polen. Darum interpretierte man das Ganze als Gottes Strafe für Sünden der Machtinhaber und das sorgte in der Bevölkerung für Verwirrung.

Nicht ohne Grund bestimmte Mussorgski das Genre als Volksmusikdrama, da die Hauptfigur der Opernaufführung nicht Boris Godunow, sondern das ganze Volk selbst ist. Die Szenen mit dem gemeinen Volk stehen im Mittelpunkt der Dramaturgie. Vielleicht wurde aus diesem Grund eine zusätzliche Episode in die Theateraufführung hinzugefügt und zwar die Szene des Volksaufstandes, wo Namensbetrüger, Pseudodemetrius, zum ersten Mal anerkannt und verherrlicht wurde. Diese Szene unter dem Namen «Sokolniki am Dnjepr», die zuvor nirgendwo vorgestellt wurde, wurde zum ersten Mal gerade im Krasnodar Musiktheater «Premjera» vor dem Publikum gezeigt. Zweifellos macht es die Premiere einzigartig in ihrer Art.

Das ganze völkische Erleben, Angst, Ärger, Unverständnis von geschehenen Ereignissen – all das kann man als Zuschauer durch das großartige Spiel der Schauspieler und die Musik, die tief in Ihre Seele eindringt, an sich spüren. Diese Opernaufführung wird den Zuschauern in neun Episoden präsentiert, die mit Spezialeffekten, Kulissenwechsel und dem wachsenden Interesse von Zuschauern für das, was auf der Bühne geschieht, begleitet wird.

Zum ersten Mal in der Welt hörten die Zuschauer die Orchestrierung von zwei Episoden – «Szene bei den Brunnen» und «Sokolniki am Dnjepr» und zwar mithilfe von den Musikinstrumenten, die in der Zeit von Mussorgski benutzt wurden. Die Dirigentin der Opernaufführung ist verdiente Künstlerin Russlands, Regisseurin des Bolschoi-Theaters Olga Ivanova. Das ist auch eine sehr wichtige Tatsache, die den Erfolg der Theateraufführung bestimmte, weil das Publikum die Opernaufführung «Boris Godunov» in ihrer ursprünglichen Form hörte, genauso wie Mussorgski es beabsichtigte. Die Musik in dieser Theateraufführung spielt darum so eine wichtige Rolle, da sie das Tiefste, das im russischen Geist ist – Mut, Adel, Großzügigkeit, Breite der Seele und Offenheit, zeigt.

Die Musikdrama-Opernaufführung «Boris Godunov» hinterließ auf mich einen riesigen Eindruck, doch ihre Rolle in meinem Leben unterschätzte ich.

Die Geschichte Russlands interessierte mich immer, nicht wenige Bücher über abscheuliche Verräter und mutige Helden, über Krieg und Revolution las ich schon. Und um mir alles besser zu merken, stellte ich mir immer vor, als ob ich selbst Zeuge der historischen Erlebnisse wäre. Darum bereitete ich mich auf die Theateraufführung nicht vor, weil ich die Hauptfiguren und die Zeit schon ganz klar kannte. Mein Hobby würde ich aber so erklären: alles in unserem Leben entwickelt sich zyklisch und wiederholt sich von Generation zu Generation. Wenn man wissen will, was in der Zukunft sein wird, muss man in die Vergangenheit zurückblicken, dort liegen alle Antworten. Warum ist das so? Ich erkläre es mir dadurch, dass Kinder von ihren Vätern nicht lernen wollen, Kinder wiederholen die Fehler ihrer Väter und erst dann ziehen sie Lehre. Das Schicksal fordert jede einzelne Generation heraus und so prüft sie auf Lebensmut, Tapferkeit und sonstige beste Eigenschaften eines Menschen. Mein Vater sagte einmal: «Starke Menschen schaffen gute Zeiten, gute Zeiten schaffen schwache Menschen, schwache Menschen schaffen schwere Zeiten, und aus ihnen werden wieder starke Menschen und so weiter.»

Noch am 12.Februar nach der Opernaufführung «Boris Godunov» konnte ich die Bedeutung dieser Veranstaltung kaum richtig erkennen, jetzt aber scheint es mir, als ob die Worte von Modest Mussorgski in der Theateraufführung vor kommenden Hindernissen fürs russischen Volk und die ganze Welt gewarnt hätten. Jetzt brauche ich es nicht mehr, mir in den verschiedenen historischen Ereignissen Russlands vorzustellen, jetzt lebe ich in deren, darum werde ich weder diese Opernaufführung noch diese Zeit nie vergessen.
Letzte Änderung: 5 Monate 4 Wochen her von Perepelitsyn.
5 Monate 4 Wochen her #4803

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